16. 7. – 0 Uhr 00: Die Sommerübertrittszeit ist für den österreichischen Fußball (mit Ausnahme der Bundesliga) vorbei. Noch sind, wie üblich, nicht alle Neuzugänge bekannt, aber ein Blick in die ostliga.at-Transferbörse zeigt, dass nach den großen Fischen der letzten Jahre, nun offensichtlich die kleineren Brötchen an der Reihe sind…
Geht es rein nach der Quantität, so sind die Transferkönig dieses Sommers eindeutig in Wien-Floridsdorf zuhause. Nach Aufsteiger SC Columbia (14 Neuzugänge), folgt bereits der FAC (13 Neuzugänge). Wie aber sieht es mit der Qualität aus?
Beim FAC ist die Handschrift des neuen Kooperationspartners Rapid nicht zu verkennen. Bei den Abgängen finden sich altgediente Spieler ebenso, wie so gut wie alle Neuverpflichtungen des letzten Winters. Die Neuen haben fast alle eines gemeinsam: Sie kommen vom SK Rapid. Gespannt darf man auf Dominik Hofbauer sein, der von Aston Villa in die Hopfengasse kommt, sowie darauf, ob der vom SV Horn gekommene Peter Neidhart in Floridsdorf einen neuerliches Comeback schafft. Resümee: Der Kader ist sicher um eine Klasse stärker, Mannschaft und Trainer werden sich aber erstmals zu beweisen haben.
Ebenfalls eine neue Kooperation hat die Transferpolitik beim Wiener Sportklub bestimmt. Dort bekam man vom FC Magna das zuletzt beim SV Wienerberg eingesetzte und allseits begehrte „Dreierpaket“ Helly, Felix, Kral. Dies und dass der Mannschaftsstamm nahezu komplett erhalten bleibt, sollte den Dornbachern gegenüber der Konkurrenz einen nicht zu unterschätzenden Vorteil verschaffen, aus dem Trainer Drazan bei seinem dritten Antreten in der, wie er einst sagte, „Tuttelliga“ aber nun auch etwas machen muss.
Einen Paradigmenwechsel gab es beim in der Relegation gescheiterten SC/ESV Parndorf. Nicht, wie allerorts gemunkelt wurde, der Trainer musste gehen, sondern gut und gern die halbe Mannschaft. Auch hier finden sich bei den Abgängen altgediente – und altgewordene – Spieler, sowie einige Neuverpflichtungen aus dem Vorjahr, die nicht überzeugen konnten. Von der Verpflichtung großer Namen hat man diesmal Abstand genommen und stattdessen auf eine Mischung solider, in der Liga längst bewährter Spieler (Jusits, Milosevic) und junger Talente gesetzt. Für Trainer Knöbl die erste Ostligasaison von Beginn an.
Anlauf Nummer Drei Richtung Aufstieg unternimmt der SV Horn, wo man dem Kader ein weiteres Mal eine ordentliches Lifting verpasst hat. Das Karriereende von Gilbert Prilasnig muss sicherlich als Zäsur verstanden werden und der Abgang von Stammspieler Sargon Duran schmerzt, bei den restlichen Abgängen handelt es sich aber in der Hauptsache um Kaderbereinigungen, sprich man trennt sich vornehmlich von Spielern, die nicht unter den ersten 14 waren. Die Neuzugänge zeugen, wie meist in Horn, von Qualität, ob auch diesmal wie üblich der eine oder andere Flop dabei ist, wird sich zeigen. Darüber, dass Trainer Marko mit seiner Mannschaft wieder vorne dabei sein wird, brauchen wir jedenfalls nicht zu diskutieren.
Bei den Bundesligaamateuren, durch den Abstieg der Wiener Austria sind es mittlerweilen vier, zeigen sich unterschiedliche Tendenzen. An den Rapid Amateuren wird die Kooperation mit dem FAC nicht spurlos vorüber gehen. Hier scheint man auf Abspecken zu setzen, was sich wohl auch in der Kaderstärke niederschlagen wird. Bei den im Vorjahr erfolgreicheren Kollegen der Admira dürfen wir uns überraschen lassen. Es gibt ein paar (kaum ins Gewicht fallende) Abgänge zu anderen Vereinen. Die Abgänge Richtung Kampfmannschaft werden da schon mehr schmerzen. Es wäre ein Wunder, kämen aus dem Nachwuchs genug Kräfte nach, sie zu ersetzen. Da kommen auf das frischgebackene Trainerduo Graf/Lederer doch bewegte Zeiten zu. In Mattersburg wiederum setzt man auf Verstärkung, muss das auch tun, um sich endlich in der Liga zu etablieren. Die Abgänge sollten nicht ins Gewicht fallen, die Zugänge eindeutig die Qualität steigern. Absteiger Austria könnte auf Anhieb bestes Bundesligateam werden. Wie man es schafft, sich eine Liga weiter unten zu adaptieren, wird sich zeigen. Spieler mit Qualität haben den Verein verlassen, Trainerneuzugang Ivica Vastic, der aus Waidhofen zwei Leistungsträger (Teurezbacher, Dos Santos) mitbringt, sollte aber kein Problem haben das Team auf Anhieb in der dritten Leistungsstufe zu etablieren.
Bei Meister FC Waidhofen wurden vier der begehrtesten Spieler abgegeben. Dass diese nicht gleichwertig ersetzt werden können, liegt, auch wenn der Verein sich bemüht haben mag, in der Natur der Sache. Was „Trainerprofessor“ Singer aus dem Rest und den paar Neuzugängen machen kann, steht in den Sternen. Um den Titel werden die Ybbstaler heuer sicher nicht mitspielen – und das dürfte auch kaum geplant sein.
Bei Ostbahn XI, Überraschungsteam des Frühjahrs konnten – Überraschung! – etliche Schlüsselspieler nicht gehalten werden. Aber auch wenn die Zahl der Zugänge jene der Abgänge übersteigt – mit schierer Quantität wird Qualität kaum zu kompensieren sein. Sicherlich eine reizvolle Aufgabe für Trainer Kurt Jusits, wenn in dieser Form auch kaum angestrebt.
In Neusiedl war man mit der vergangenen Saison zu Recht zufrieden. Ob es daran liegt, dass man die heurige Übertrittszeit mehr oder weniger ausgelassen hat? Mit Patrick Kienzl gibt es einen Abgang, der zwar schmerzt, jedoch kompensierbar sein sollte, da der Rest der erfolgreichen Mannschaft geblieben ist. Kann man den Level des Vorjahres halten, dürfte der Zweck der Übung erreicht sein.
In Baumgarten gibt es 10 Neue – die Mannschaft wird mit Sicherheit ein anderes Gesicht haben, als im Vorjahr und, so hofft man, sich diesmal von Anfang an aus dem Abstiegskampf heraushalten zu können. Während im Vorjahr noch große Namen die Zugangsliste zierten, kommen die Neuzugänge diesmal eher aus Leistungsstufe Vier bis Fünf. Trainer Adalbert Hausmann wird daraus schon was machen…
Die SV Schwechat bleibt dem seit Wiederaufstieg eingeschlagenen Weg treu und nimmt an ihrem Team nur minimale Änderungen vor – was sich zumindest im Frühjahr bereits bezahlt machte. Diesmal heißt es, sich von Dominik Höfel zu verabschieden, nach dem die Bundesliga ihre Arme ausstreckt, Ersatz kommt von der Vienna, wo Thomas Horak vor zwei Jahren noch als Riesentalent galt. Trainer Michael Keller könnte heuer erstmals seit Langem einer sorgenfreien Saison entgegen sehen.
Von den Aufsteigern scheint man sich in Sollenau am stärksten zu fühlen. Die Neuzugänge werden das Bild der Mannschaft wohl ebenso wenig prägen, wie die Abgänge. Summa summarum: Trainer Carsten Bjerregaard geht mit einer nur in wenigen Punkten geänderten Landesligameistermannschaft ins Rennen – eine Strategie die in Gaflenz voriges Jahr nicht ganz geklappt hat. Anders sieht es da schon in Ritzing aus. Bei ihrem Ligacomeback brauchen sich die Burgenländer zumindest nicht vorhalten lassen, dass sie personalmäßig zu wenig getan hätten. Schließlich gibt es zehn Neuzugänge, darunter mit Kaintz und Niklas zwei bekannte Namen, die die Qualität heben sollten. Auch Trainer Franz Ponweiser dürfte sonst im Wesentlichen auf seine Meisterelf setzen. Beim Aufsteiger Nummer Drei, dem SC Columbia scheint hingegen kein Stein auf dem anderen geblieben zu sein. Die 14 Neuzugänge haben auf jede Mannschaftsformation gravierende Auswirkungen und bilden ein buntes Gemisch aus bewährten, weniger bewährten und nicht bewährten Spielern der Ostliga, garniert mit dem Ostligacomeback eines anerkannten wenn auch nicht mehr ganz taufrischen Bundesligaspielers (Majstorovic). Für Trainer Franz Maresch, in der Ostliga zuletzt als Stürmer bei der Vienna, wird das wohl alles andere als ein Spaziergang.