Regionalliga Ost
1.
Ritzing
3
5
:
1
9

2.
Parndorf
3
8
:
2
7

3.
Waidhofen/Y.
4
8
:
6
7

4.
Schwechat
3
6
:
3
6

5.
Admira (A)
3
5
:
6
6

6.
Horn
3
4
:
3
5

7.
Columbia
3
3
:
2
5

8.
Austria (A)
3
4
:
4
4

9.
Neusiedl
3
2
:
2
4

10.
Rapid (A)
4
8
:
9
4

11.
SVM (A)
3
5
:
5
3

12.
WSK
3
4
:
5
3

13.
FAC TfW
3
3
:
6
3

14.
Baumgarten
3
2
:
5
1

15.
Sollenau
3
1
:
4
1

16.
Ostbahn
3
2
:
7
1

4. Runde
:
(:)


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Themen

In diesem Beitrag erfahren wir von Prof. Hoaksson etwas über Tauben, einen Spieler, der seinem Verein in guten, wie in schlechten Zeiten treu blieb und darüber hinaus noch alles Mögliche mehr…

Wer kennt sie nicht, die Brieftaube? Schon in der Antike wurden diese Tiere zur Beförderung von Nachrichten verwendet und fanden hierfür auch in vielen späteren Jahrhunderten noch Verwendung. Unter anderem auch im Sport, wie z. B. im Fußball, wo sie zur Überbringung von Zwischen- oder Endergebnissen an Zeitungen bzw. die Verbände Verwendung fanden. So soll es – unbestätigten Berichten zu Folge – einmal in England vorgekommen sein, dass man der Taube – anstatt den Zettel mit dem Ergebnis am Fuß des Tieres zu befestigen – einfach nachrief: „Wolves two, Liverpool one!“.

Ein solcher gefiederter Postbote kam dieser Tage auch zu mir in den Garten und der von der Taube übermittelten Nachricht entnahm ich die Bitte, doch über eine so ganz und gar nicht alltägliche Fußballerkarriere zu berichten – der ich hiermit gerne nachkomme.

Es passt ja in unsere heutige Zeit nicht mehr ganz, sein gesamtes Fußballerleben einem einzigen Verein zu widmen. Selbst in den Anfangsjahren war das gar nicht sooo anders. Dass Fußballer zwischen Vereinen wechseln ist nichts, was uns sonderlich aufregen sollte – außer natürlich wenn einer unserer Publikumslieblinge womöglich zum Lokalrivalen oder Erbfeind wechselt, da können die Gemüter manchmal doch etwas hochgehen.

Zurück zu unserem Thema: Im Burgenland war’s, wo ein Kicker seinem Verein nicht nur über viele Jahre sondern auch auf dessen langem Marsch durch die unterschiedlichsten Ligen des Landes treu blieb. Es war gegen Ende der Sechziger, als ein gewisser Josef Bochdalovsky seine ersten Gehversuche in der Kampfmannschaft des SC Neusiedl/See machte. Noch nie gehört? Macht nichts, ab jetzt kennen Sie ihn, seine Spielerkarriere ist mit dem Auf und Ab des SC Neusiedl/See eng verbunden.

Josef "Sam" Bochdalovsky

Josef "Sam" Bochdalovsky

Der NSC war schon seit 1949/50 auf die burgenländischen Landesliga abonniert, konnte aber lange Jahre über Platz Drei (52/53) bzw. Platz Vier (63/64) nie hinauskommen. Im Spieljahr 1969/70 trug sich dann erstmals der 17jährige (Jahrgang 1952) Josef Bochdalovsky – Sam genannt – in die Torschützenliste ein, was der Rechtsaußen auch in den folgenden Saisonen mit großer Regelmäßigkeit wiederholte.

1976 war es dann soweit: Nach 27 Jahren Landesliga wurden die Mannen vom Neusiedler See mit zwei Punkten Vorsprung auf den SV Leithaprodersdorf sowie drei auf den UFC Oggau Meister des Burgenlandes und stiegen in die Ostliga auf. Der Meistertitel verlieh Josef Bochdalovsky und seinen Mannschaftskollegen wahrhaft Flügel: Im ersten Regioanlligajahr wurde der NSC Dritter (Meister wurde Bezirksrivale Kittsee), gewann im Juni 1977 gar noch den Burgenländischen Cup (4:1 und 1:1 gegen den ASV Siegendorf) und durfte sich sodann über eine neue Sportanlage in der Metropole am Nordufer des Sees freuen.

In der zweiten Saison wurde Neusiedl hinter dem FavAC Vizemeister, musste sich dann im Dritten Jahr wieder mit Platz Drei zufrieden geben, doch dann – in der Saison 1979/80 – gelang den Schützlingen von Trainer Rudi Flögl der Aufstieg in die 2. Division – siehe auch „Erster und doch nur Zweiter – Teil III

Nun hatte Josef Bochdalovsky bereits seinen zweiten Meistertitel mit dem NSC erreicht und freute sich auf die Zweite Liga, die für ihn bereits die dritte war, in der er sein fußballerisches Können zeigen durfte.

Doch dort wehte ein anderer Wind. Bochdalovsky, der mit Stolz die Nummer 2 am Rücken trug, musste zusammen mit seinen Mannschaftskameraden ordentlich kämpfen, um dem sofortigen Abstieg zu entgehen. Punktegleich mit der IG Bregenz/Dornbirn (gegen die beide Partien mit 0:2 verloren gingen) landeten die Neusiedler dank des besseren Torverhältnisses gerade noch auf dem rettenden Platz 13, in einer viel Kraft und Geld kostenden Saison (die vielen, weiten Fahrten aus dem Osten Österreichs z. B. nach Kärnten [5x], Tirol [2x], Vorarlberg bzw. Salzburg drückten ordentlich aufs Geldbörsel).

Josef Bochdalovsky ließ es sich natürlich nicht nehmen, sich auch in der 2. Division in die Schützenliste einzutragen: Beim 3:0-Heimsieg über den SAK 1914 steuerte er in der 24. Minute den Treffer zum 2:0 bei. Ebenso beim 2:0-Heimerfolg gegen den SV St. Veit/Glan. Darüber stand in einer Zeitung:

“Bochdalovsky, der Slalomkönig! War das eine Nervenschlacht! Ausgerechnet gegen den SV St. Veit, der zuletzt Mannschaften wie SpG Innsbruck und Sparkasse Innsbruck (auswärts) besiegt hatte, musste der NSC-Sparkasse unbedingt punkten, um nicht erneut in den Abstiegsstrudel zu kommen. Dazu kam, dass nicht nur Fritz Bruck fehlte, sondern auch Dr. Jan Pivarnik nicht topfit begann, und zu allem Überdruß auch noch Sepp Karner nach einem Foul frühzeitig in die Kabine musste. Vor 350 Zuschauern kam der NSC-Sparkasse durch ein Eigentor des Kärntners Strutzmann in der 29. Minute zur 1:0-Pausenführung. Im zweiten Durchgang stach besonders Josef Bochdalovsky heraus, der in der 75. Minute die St. Veiter Gegenspieler wie Slalomstangen stehen ließ und perfekt zum 2:0 für die Neusiedler einschoß.”

Josef "Sam" Bochdalovsky - durchwanderte mit dem NSC nicht weniger als sechs verschiedene Ligen!

Josef "Sam" Bochdalovsky - durchwanderte mit dem NSC nicht weniger als sechs verschiedene Ligen!

OK, der Bericht, der mir zur Verfügung steht, findet sich zwar nur zu einem Bruchteil in einer mir zur Vefügung stehenden Denkschrift über die Historie des NSC, doch durch den Titel des Berichts ließ sich der Rest – den ich freihändig hinzufügte – doch einwandfrei rekonstruieren, oder?

Das zweite Jahr in der 2. Division verlief für die stolzen Seestädter weit besser und dank der Aufstockung der 1. Division auf sechzehn Vereine versprachen auch die Plätze Zwei bis Sechs den Aufstieg in die höchste Liga Österreichs. Gut dass der NSC auf Platz Vier landete und der Verein somit zum dritten Mal in eine neue Liga kam. Mit dabei natürlich: Josef „Sam“ Bochdalovsky, auf den also Liga Nr. Vier wartete.

Sein erstes Spiel in der höchsten Liga des Landes führte ihn mit dem NSC nach Linz zum SK VÖEST, wo es immerhin ein 0:0 und damit gleich den ersten Punkt gab. Das erste Spiel daheim konnte gegen den Wr. Sport-Club mit 2:1 gewonnen werden, doch dann dauerte es bis zur 16. Runde, ehe der Anhang der Neusiedler den zweiten Saisonsieg bejubeln konnten – 3:1 gegen den SK VÖEST Linz.

Anlässlich der 100-Jahr-Feier des Wr. Sport-Clubs gastierte der NSC in der 17. Runde in Hernals und erreichte vor knapp 6.000 Zuschauern (Freikartenaktion des WSC) ein 0:0-Remis).

Bald darauf kam die längst legendäre 23. Runde: Die Grünweißen aus Neusiedl hatten die Grünweißen aus Wien zu Gast. Um mehr Zuschauerraum bieten zu können, positionierten sich Traktoren samt Anhänger rund um das Spielfeld. Sie fungierten als Ersatz-Tribünen, um den anwesenden Massen gute Sicht auf das Geschehen am Rasen zu gewährleisten. Dort sorgten Josef Bochdalovsky und Kollegen für eine Riesenüberraschung, denn nach dem Schlusspfiff stand es vor 6.000 Zuschauer 2:1 für den NSC! Der Rest ist Geschichte und spielt seit damals für die Neusiedler Seele eine ähnliche Rolle wie Cordoba (3:2 gegen die BRD bei der Weltmeisterschaft 1978) für den Rest Österreichs.

Das Abstiegsgespenst konnten die Neusiedler schon vor der letzten Runde verscheuchen. Das 0:8 bei der Wiener Austria zum Abschluß der ersten Erstligasaison hatte zwar keinerlei Auswirkung mehr, war aber bereits ein Vorgeschmack darauf, was in der kommenden Saison folgen würde. Nach dem steten Aufstieg aus der Landesliga bis hinauf in den Olymp des österreichischen Fußballs, kam der finanzielle Crash. Dass die Saison 1983/84 nicht auf dem 16. und letzten Platz beendet werden musste, war einzig und allein der Tatsache zu verdanken, dass die Union Wels bereits im Herbst – nachdem sich ihr einflussreicher Gönner zurückzog – den Spielbetrieb einstellte.

Der NSC verabschiedete sich mit zwei Remis (0:0 daheim gegen St. Veit und 0:0 daheim gegen Admira Wacker) aus der 1. Division, erzielte ganze 10 Tore und kassierte 102 – einen „offiziellen“ Sieg gab es auch: gegen die im Frühjahr nicht mehr anwesende Union Wels.

Der NSC stieg freiwillig in die burgenländische 2. Landesliga Nord ab – und mit dabei war natürlich „Sam“ Bochdalovsky, der auch in dieser schwierigen Zeit seinem Verein treu blieb und nun die für ihn fünfte Liga in seiner Spielerlaufbahn kennen lernen durfte. Statt zur Austria, zu Rapid, nach Innsbruck, Graz, Klagenfurt oder Eisenstadt ging es nun nach Parndorf (natürlich zum weltgewandten SC, denn der ESV spielte ja nur in der „Schutzgruppe“), nach Gols, Klingenbach, Illmitz, Podersdorf bzw. Wallern.

In der ersten Saison steuerte Bochdalovsky fünf Tore zum hervorragenden dritten Platz bei. 1985/86 wurde er sogar zweitbester Vereinstorschütze mit sechs Treffern, während der NSC Fünfter wurde. Im Spieljahr darauf gab es aber einen tiefen Fall in der Tabelle auf Platz 14, der zugleich der vorletzte war – und der NSC stieg in die 1. Klasse Nord ab!

Und schon wieder spielte Josef Bochdalovsky in einer neuen Liga – die sechste für ihn und sie sollte auf seiner abenteuerlichen Reise durch Fußballösterreich seine letzte bleiben. Natürlich hinterließ er auch hier seine Spuren und verewigte sich mit zwei Treffern in der Torschützenliste, der NSC konnte Platz Vier erreichen.

Eine ähnlich gute Endplatzierung war für die Grünweißen 1988/89 dann aber nicht mehr zu holen, sie landeten auf dem vorletzten Platz und standen nun an der Schwelle zur allerletzten Liga des Landes – der berühmt-berüchtigten Schutzgruppe…

Zum Abstieg kam es dennoch nicht – da kein Nordklub aus der Landesliga herunter kam, stieg nur der UFC Oggau als Letzter aus der 2. Liga Nord in die 1. Klasse Nord ab und die zwei freien Plätze wurden vom FC St. Andrä sowie dem UFC Frauenkirchen aus der Liga des NSC eingenommen. Somit stieg in dieser Saison nicht einmal der Tabellenletzte, der SV Wulkaprodersdorf, ab und Josef Bochdalovsky blieb der Gang in die 2. und letzte Klasse des Burgenlandes – für ihn wäre es Liga Nummer Sieben gewesen! – erspart.

Dann war Schluss! Nach fast zwanzig Jahren beim SC Neusiedl/See beendete er seine Fußballkarriere in der 1926 zur Stadt erhobenen Gemeinde am Steppensee im Osten Österreichs, die ihn mit seinem SC Neusiedl durch nicht weniger als sechs verschiedene Fußballligen führte.

Und heute? Widmet Josef “Sam” Bochdalovsky sich u. a. gelben Filzbällchen beim UTC Neusiedl/See.


 

Prof. Egil Hoaksson, konnte sich als erster und bisher einziger Wissenschafter an der Universität Cambridge in Ostligakunde habilitieren, ist der wahrscheinlich größte noch lebende Ostligaexperte mit norwegischen Wurzeln und schreibt exklusiv für ostliga.at.Das Archiv arbeiter-zeitung.at ist das derzeit wahrscheinlich beste kostenlos verfügbare online-Zeitungsarchiv Österreichs mit ausführlichen Berichten über den Regionalfußball des Ostens und wird auch von Prof. Egil Hoaksson stets gerne besucht.
22. Juli 2010